Bilanz der ersten Einkaufswoche nach dem Lockdown

Der österreichische Handel ist mit der Umsatzentwicklung in der ersten Woche nach dem dritten harten Lockdown zufrieden. Der bisher stärkste Tag in dieser Woche war der Montag, aber auch am Dienstag und am Mittwoch haben viele Händler höhere oder zumindest ähnliche Umsätze erwirtschaftet wie im Vorjahr. Schlangenbildung gibt es mittlerweile nur noch vereinzelt, grundsätzlich verteilen sich die Kundenströme in den Geschäften sehr gut.

Gastronomie und Hotellerie fehlen Handel als Frequenzbringer

Donnerstag und Freitag verliefen ebenfalls gut, insbesondere in Ballungsräumen wie Wien oder Graz. Natürlich haben sich auch die Semesterferien in Oberösterreich, Salzburg, Tirol, Vorarlberg, Kärnten, der Steiermark und dem Burgenland positiv auf die Kundenfrequenz ausgewirkt. Dies gilt allerdings nicht für jene Regionen in Tirol, Vorarlberg und Salzburg, die stark vom Wintertourismus abhängig sind. Gastronomie und Hotellerie fehlen dem Handel als Frequenzbringer weiterhin sehr, insbesondere in den heimischen Tourismus-Hochburgen. In manchen B- und C-Lagen hatten auch die frostigen Temperaturen in den letzten Tagen negative Auswirkungen auf den Kundenandrang. Dennoch gilt: Der grundsätzlich positive Trend seit Montag setzt sich fort.

Positive Bilanz für Bekleidung-, Schuh-, Elektro- & Möbel-Händler

Die Kundenfrequenzen steigen in den Geschäften tendenziell am Nachmittag, auch am heutigen Freitag hat der Kundenandrang mit Fortlauf des Tages zugelegt. Viele Händler insbesondere in den Bereichen Bekleidung, Schuhe, Elektro und Möbel haben diese Woche doppelt so hohe Umsätze wie im gleichen Zeitraum des Vorjahres verzeichnet. Moderate Zuwächse gibt es auch im Sportartikel- und Buchhandel sowie bei den Baumärkten.

„Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Konsumentinnen und Konsumenten ist coronabedingt deutlich zurückgegangen, dafür ist die Kaufabschlussquote angestiegen. Das heißt, viele VerbraucherInnen tätigen jetzt gezielte Käufe, auch die Warenkörbe sind deutlich größer als zu ’normalen‘ Zeiten. Dies liegt daran, dass viele Händler attraktive Angebote geschnürt haben, um ihre Winterwaren zu verkaufen und damit die Kassen zu füllen. Damit können jetzt offene Rechnungen bezahlt und der Fortbestand der Betriebe gesichert werden“, erklärt Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will.

Einmaleffekt oder nachhaltiger Aufschwung? Die nächsten Wochen sind entscheidend.

Wie nachhaltig der Aufschwung im stationären Handel tatsächlich ist, wird sich allerdings erst in den kommenden Wochen zeigen. Aktuell sind vielerorts Einmaleffekte aufgrund des Umtausches von Weihnachtsgeschenken, der Rücknahme von Produkten oder der Einlösung von Gutscheinen zu verzeichnen. Viele Betriebe haben den Umtauschzeitraum aufgrund des dritten harten Lockdowns freiwillig verlängert
. Auch bei Gutscheinen sind die Geschäfte großzügig, was deren Einlösung betrifft.

„Die vom Handelsverband prognostizierten Einmaleffekte sind eingetreten, diese Woche darf sich der heimische Handel über ein Umsatzplus freuen. Wir hoffen jetzt auf ein nachhaltiges Klima der Zuversicht. Dennoch wird die fehlende Gastronomie und Hotellerie in den kommenden Wochen im Lockdown light zu Umsatzverlusten von durchschnittlich 250 Millionen Euro pro Woche führen. Überdies haben viele Handelsbetriebe, etwa der gesamte Lebensmittelgroßhandel, mit der Schließung der Gastro ihre wichtigsten Kunden verloren und verzeichnen zum Teil gravierende Umsatzeinbrüche. Diese indirekt vom Lockdown betroffenen Betriebe warten seit Monaten auf die entsprechende Richtlinie und somit auch auf die Auszahlung der Corona-Hilfen“, so Will.

Vorbildlich: Konsumenten halten sich an alle Hygienevorgaben

Positiv ist, dass sich die heimischen KonsumentInnen weiterhin sehr diszipliniert verhalten und alle Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen einhalten. Für alle KundInnen gilt in den Geschäften weiterhin eine FFP2-Maskenpflicht, ein Mindestabstand von 2 Meter sowie eine Beschränkung von 20m2 pro Kunde im gesamten Handel.

Frostige Temperaturen befeuern Nachfrage nach Winterware

Überdies sorgen die sibirischen Temperaturen zurzeit für eine überraschend starke Nachfrage nach Winterware. Davon profitieren auch die großen Shoppping Center des Landes. „Die sibirische Kälte lässt die Kassen im Handel klingen. Angekurbelt wird das Ganze natürlich durch großzügige Preisaktionen und Rabatte der Händler. Dadurch ist die Rohertragsmarge etwa im Modehandel im Vergleich zu 2019 deutlich zurückgegangen“, bestätigt Handelssprecher Rainer Will.

Vierten Lockdown unbedingt vermeiden: Handel muss offen bleiben

Angesichts der nach wie vor existenzbedrohenden ökonomischen Lage vieler Betriebe hofft der österreichische Handel auf eine dauerhafte Öffnung, denn einen vierten harten Lockdown würden viele Unternehmen wirtschaftlich nicht überstehen.

Weitere Informationen finden Sie unter www.handelsverband.at
Quelle: Handelsverband