Möbel und Küchen sind Produkte, für die es zum stationären Verkauf nur wenige sinnvolle Alternativen gibt. Daher liegt der Online-Umsatzanteil weiterhin deutlich unter zehn Prozent. Denn die Living-Branchen sind Wohlfühl-Branchen. Wohnen und Einrichten hat in Deutschland traditionell einen hohen Stellenwert. Die Deutschen lieben es, sich zu Hause schön einzurichten, Gäste zu empfangen und gemeinsame Abende in behaglichem Ambiente oder beim gemeinsamen Kochen zu verbringen.
Dennoch war das zurückliegende Jahr eher von Kaufzurückhaltung geprägt. Dafür gibt es mehrere Gründe: Vielbeschäftigte Menschen haben weniger Zeit zum Einkaufen. Auch der Möbelhandel hat sich mit rückläufigen Frequenzen auseinanderzusetzen. Er unternimmt viel, um Kunden in seine Häuser zu bekommen
. Die Branche ist für die Tageszeitungen mittlerweile der zweitgrößte Anzeigenkunde, in manchen Regionen die Nummer 1. Auch die Umbrüche in Gesellschaft und Politik tragen zu einem weniger offensiven Kaufverhalten bei. Schließlich dämpfen die derzeit langen Lieferzeiten bei Küchen den Umsatz, der statistisch erst bei der Lieferung und noch nicht bei der Bestellung zu Buche schlägt.
Die Branche konzentriert sich weiter
Die Möbel- und Küchenbranche ist immer noch eine generell mittelständische geprägte Einzelhandelsbranche, auch wenn die Konzentration fortschreitet und Großunternehmen weiterwachsen. Vertriebsformen jeglicher Art begegnen sich hier im Wettbewerb. Vom Mitnahmemarkt über das spezialisierte Fachgeschäft bis hin zum großen Wohnkaufhaus und dem Onlinehandel reicht das vielseitige Angebot. Der Verbraucher kann frei wählen, wo er sich für seine Bedürfnisse am besten beraten und bedient fühlt, ob für ihn der Preis oder eine gute Auswahl und eine fachkundige Beratung im Vordergrund stehen.
Dank starker Einkaufsverbände, zu denen mehr als 80 Prozent aller Handelsbetriebe mit mehr als 60 Prozent Anteil am Branchen-umsatz gehören, können in dieser Branche auch kleinere und mittlere Unternehmen erfolgreich arbeiten.
Neben den großen Wohnkaufhäusern zählen die spezialisierten Fachgeschäfte zu den Gewinnern der Branche. Im Küchenhandel werden über 40 Prozent des Küchenabsatzes von Küchenspezialhäusern und Küchenfachmärkten erwirtschaftet, in keinem anderen Sortimentsbereich ist dies so stark ausgeprägt.
Der SB-Bereich einschließlich des Anteils der branchenfremden Vertriebswege wie Baumärkte für den Bereich der Klein- und Mitnahmemöbel, macht ein Viertel des Umsatzes aus. Die Top-Ten im deutschen Möbelhandel erwirtschafteten im Jahr 2017 über 50 Prozent des Branchen-umsatzes und haben damit weiter Marktanteile hinzugewonnen. Befeuert wird das Wachstum im Wesentlichen durch die Übernahme bestehender Unternehmen. Dies erklärt auch, warum der Flächenzuwachs sich im vergangenen Jahr abgeschwächt hat: Es wird weniger neu gebaut, es werden häufig bestehende Flächen übernommen. Insgesamt verfügt der deutsche Möbelhandel über rund 23 Millionen Quadratmeter Verkaufsfläche. Hiervon werden 5,7 Millionen Quadratmeter – das ist ein Viertel der Fläche – von 165 Häusern mit mehr als 25.000 Quadratmetern Verkaufsfläche betrieben.
Online-Handel weiter auf Wachstumskurs
Die Vertriebsform der online bestellten Möbel gewinnt weiter an Bedeutung. Knapp 3 Milliarden Euro brutto, also gut 8 Prozent des Gesamtumsatzes, wurden 2017 mit Möbeln, Küchen und Einrichtungsgegenständen erwirtschaftet.
Gegenwärtig dominieren zwar noch immer die auf den Distanzhandel spezialisierten Unternehmen, allerdings hat sich hier auch der beratende, stationäre Handel zum komplementären Vertriebskanal entwickelt. Dies ist deutlich an den Multichannel-Aktivitäten der Marktführer zu erkennen, die entweder ihre bisherigen Bemühungen intensivieren oder neu in den Online-Vertrieb eingestiegen sind. Es wird allerdings auch immer deutlicher, dass es zumindest bei komplexen planungs- und beratungsintensiven Produkten nicht völlig ohne stationäre Präsenz geht.
Boxspringbetten unangefochtener Megatrend
Betrachtet man die Sortimentsbereiche, so sind Küchenmöbel mit 25 Prozent Umsatzanteil nach wie vor die stärkste Warengruppe.d der Insolvenz eines großen Herstellers im vergangenen Jahr Umsatzanteile verloren hat. Dies resultiert daraus, dass sich durch den Wegfall dieses Herstellers die Lieferfristen insgesamt deutlich verlängert haben und rechnerisch durch die im Schnitt um vier Wochen verzögerte Auslieferung nur gut elf Monate in 2017 umsatzwirksam waren.
Zweitgrößte Warengruppe sind die Polstermöbeln mit 22 Prozent gefolgt von den Schlafzimmermöbeln mit 13 Prozent, wobei be-sonders Boxspringbetten unverändert ein absoluter Verkaufsschlager – allerdings zu Lasten der sonstigen Schlafzimmermöbel – sind. Wohnzimmermöbel runden das Bild mit elf Prozent Umsatzanteil ab.
Virtual Reality wird Realität
Für die ersten technisch guten Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen ist der Einrichtungshandel ideal. Erstmals ist es in guter Qualität möglich, Kunden die neue Einrichtung oder Küche ganzheitlich in hoher Qualität zu zeigen und so die eher jüngeren und technikaffineren Kunden für Anschaffungen zu begeistern.
Logistik entwickelt neue Standards
Doch was nützt die schönste neue Welt, wenn auf der profanen Realitätsseite die Prozesse nicht stimmen. Daher beschäftigt sich der Möbel- und Küchenhandel seit geraumer Zeit auch mit Fragen der Lieferlogistik. Sowohl auf dem Weg vom Hersteller zum Händler wie auch auf dem Weg zum Kunden, der letzten Meile. Im Projekt ZIMLog (ZukunftsInitiativeMöbelLogistik) haben sich Handel, Industrie und Möbelspeditionen sowie deren Verbände AMÖ, BVDM und VDM zusammengefunden.
Politik und Bürokratie schießen über Ziele hinaus
Exemplarisch für die Regelungswut der europäischen Bürokratie ist die Novelle der Energieverbrauchskennzeichnungsverordnung, nach der sämtliche Geräte in ein neues Klassifizierungssystem eingeordnet werden müssen. In Ausstellung, Werbung und Web-shop müssen in kürzester Frist alle Energieklassen ausgetauscht werden und in entsprechender Form angebracht bzw. eingearbeitet werden
. Personell und vor allem fehlerfrei wird dieser Austausch im Handel nicht zu bewerkstelligen sein und beweist einmal mehr, dass es der Brüsseler wie auch der Berliner Politik und Bürokratie am nötigen Augenmaß mangelt, die notwendigen Prozesse im Handel richtig zu beurteilen.
Gemischte Erwartungen für das Jahr 2018
Die Rahmenbedingungen für das Jahr 2018 sind grundsätzlich gut. Von Januar bis Oktober 2017 wurde in Deutschland der Bau von 286.300 Wohnungen genehmigt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, waren das zwar 7,3 Prozent weniger als im gleichen Vor-jahreszeitraum, der allerdings eine Boomperiode mit über 20 Pro-zent Zuwachs im Vergleich zu 2015 darstellte. Von den in den ersten zehn Monaten 2017 genehmigten Wohnungen waren 247.000 Neubauwohnungen in Wohngebäuden (minus 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum). Gegen diesen Wert stiegen in Mehrfamilienhäusern die Baugenehmigungen um 1,1 Prozent und erreicht mit 140.700 genehmigten Wohnungen den höchsten Zu-wachs seit 20 Jahren. Die im Jahr 2010 begonnene positive Entwicklung bei den Baugenehmigungen im Wohnungsbau setzt sich somit fort, auch wenn sie in 2017 auf hohem Niveau eine kleine Delle erfahren hat.
Die imm cologne prägt die Branche und stärkt die Stellung der Deutschen Möbel- und Küchenbranche
Der deutsche Möbelhandel baut auf die imm cologne. Er rechnet durch die Messe mit positiven Ausstrahleffekten auf die Öffent-lichkeit und mit zusätzlichen Kaufimpulsen. Möbel und Einrichten rücken in der dritten Januarwoche verstärkt in den Fokus der Medien und ganz besonders der Menschen im Rheinland. Der Stellenwert von schönem Wohnen bekommt dadurch qualitative und quantitative Impulse. Der deutsche Möbelhandel wird sich den genannten Herausforderungen stellen. Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren in ihre Ausstellungen und die Qualität ihrer Mitarbeiter investiert.
Der BVDM auf der imm cologne 2018, 15 . – 21.01.2018 mit einem Stand auf dem Messeboulevard, Stand B 013, gegenüber Halle 4 mit folgenden Partnern:
– Fachschule des Möbelhandels (Möfa)
– Sachverständigenrat beim BVDM
– Interseroh Dienstleistungs GmbH
– Thaddäus Rohrer Unternehmensberatung
– IWOfurn Service GmbH
Weitere Inforamtionen finden Sie unter www.wohnenundbuero.de
Quelle: BVDM
