Die Begeisterung über Produkte und Dienstleistungen, die KI nutzen, nimmt in Deutschland spürbar ab: Sie sank von 45 Prozent auf 37 Prozent binnen eines Jahres – ein Minus von 8 Prozentpunkten. Dass KI-gestützte Produkte bzw. Dienstleistungen mehr Vor- als Nachteile haben, glauben derzeit ebenfalls nur noch 37 Prozent. Im Vorjahr war noch jeder Zweite davon überzeugt (49 %) – ein Rückgang von 12 Prozentpunkten. Das ist ein Ergebnis des Ipsos AI Monitors, einer Studie zum Thema Künstliche Intelligenz in 32 Ländern weltweit.
Jeder dritte Bundesbürger gibt an (33 %), KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen hätten den eigenen Alltag in den vergangenen drei bis fünf Jahren bereits grundlegend verändert. Dies ist der zweitletzte Platz im Länderranking. In China beläuft sich die Zustimmung beispielsweise auf einen Spitzenwert von 85 Prozent.
Gleichzeitig sinkt die Nervosität der Deutschen gegenüber dem Einsatz der Technologie bei Produkten und Services (2026: 41 % | 2025: 46 %). Drei von vier Deutschen (75 %) sind dabei der Ansicht, dass der Einsatz von KI gekennzeichnet werden sollte.
Vertrauen in die KI ist geringer, wenn es persönlich wird
Über die Hälfte der Deutschen nutzen KI-Tools, obwohl sie ihnen nicht immer vertrauen (54 %). Nur 15 Prozent vertrauen ihnen so sehr, dass sie deren Arbeit nicht überprüfen; die Mehrheit der Bundesbürger (76 %) kontrolliert sie hingegen nach eigenen Angaben. Ähnliche Werte erzielen Kanada (77 %), die Niederlande (79 %), Frankreich (73 %) und Großbritannien (74 %). Ein mehrheitliches uneingeschränktes Vertrauen bei der KI-Nutzung zeigt sich dagegen in Indien und China. 63 und 52 Prozent prüfen hier nicht.
Wird KI jetzt oder in der Zukunft für alltägliche Aufgaben eingesetzt, hängt die Akzeptanz der Deutschen stark vom Kontext ab. Mit der KI-unterstützten Bestellannahme ein einem Restaurant fühlen sich 51 Prozent der Deutschen durchaus wohl, noch höher ist die Zustimmung bei der Online-Suche (61 %).
Geht es aber um Gesundheit oder Geld, sinkt das Vertrauen: Mit einer KI-unterstützten Diagnose von Krankheiten fühlen sich nur drei von zehn Bundesbürgern wohl (32 %), ebenso bei der Unterstützung persönlicher Finanzen durch KI (29 %). Mehrheitlich ablehnende Reaktionen (64 %) erzeugt auch die KI-gestützte Vorauswahl von Bewerbern bei der Jobsuche – nur ein Viertel der Deutschen (24 %) hat damit keine Probleme. Ähnlich sieht es bei der Frage aus, ob KI zu den nationalen Sicherheits- oder Verteidigungszielen beitragen könne: Auch hiermit fühlt sich nur eine Minderheit wohl (27 %), drei von fünf Bundesbürgern tun es nicht (60 %). Mit diesen Werten liegt Deutschland fast immer auf den letzten Plätzen im internationalen Ranking, oft in Nachbarschaft zu Kanada, Frankreich oder den Niederlanden; das Vertrauen vieler anderer Nationen zu KI ist deutlich größer.
KI in Leben und Arbeit: verhaltene Zuversicht
Mehr als die Hälfte der Deutschen (55 %) ist der Ansicht, dass KI-gestützte Produkte und Dienstleistungen ihren Alltag binnen der nächsten drei bis fünf Jahre grundlegend verändern werden. 45 Prozent der befragten Berufstätigen gehen davon aus, dass KI in den nächsten fünf Jahren den eigenen Arbeitsplatz verändern wird. Dass sie den Arbeitsplatz ersetzt, glauben hingegen nur 16 Prozent.
38 Prozent der berufstätigen Bundesbürger sagen, dass KI-Tools ihnen im vergangenen Jahr bei der Arbeit Zeit gespart haben – der niedrigste Wert von allen untersuchten Ländern. Der globale Durchschnitt liegt bei 62 Prozent, in China, Indonesien, Indien, Malaysia und Thailand geben 80 Prozent und mehr der Berufstätigen eine Zeitersparnis durch KI an.
Beim Blick auf die Auswirkungen eines verstärkten Einsatzes von KI in den nächsten drei bis fünf Jahren sind die Deutschen eher verhalten und liegen teils weit unter dem Durchschnitt über alle 32 befragten Länder. So glaubt nur jeder fünfte Bundesbürger, dass sich KI positiv auf die Wirtschaft auswirken wird (21 %); lediglich 14 Prozent sehen positive Folgen für den Arbeitsmarkt – 7 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr – und nur 15 Prozent glauben, dass KI gegen die Desinformation im Internet wirken kann.
Immerhin erwarten 44 Prozent durch KI eine Zeitersparnis bei der Erledigung von Aufgaben, ein Zuwachs um 4 Prozentpunkte seit 2025. In den Bereichen Gesundheit und Arbeit wiederum glauben Deutschen eher, dass auch mit KI alles beim Alten bleiben wird (54 % | 50 %).
Skepsis oder Zuversicht – eine regionale Frage
Der vergleichende Blick über die befragten Ländergruppen zeigt deutliche Einstellungsunterschiede gegenüber Künstlicher Intelligenz. Nach Meinung von Dr. Robert Grimm, Director Politik- und Sozialforschung bei Ipsos, hängt es nicht nur von der Technologie selbst ab, ob KI als Chance oder Risiko wahrgenommen wird, sondern auch davon, wie Menschen auf die Zukunft ihres Landes blicken:
„Während viele aufstrebende Volkswirtschaften, wie die Asia-Pacific-Staaten oder Südamerika, KI als Chance und Motor für wirtschaftlichen Fortschritt sehen, begegnen Europäer und Nordamerikaner der künstlichen Intelligenz deutlich zurückhaltender. Obwohl viele den Wandel am Arbeitsplatz bereits erleben, überwiegt im privaten Bereich weiterhin die Sorge. Wer das Potenzial von KI ausschöpfen will, muss deshalb nicht nur Innovation ermöglichen, sondern auch Vertrauen schaffen, das zeigen die Ergebnisse für Deutschland sehr deutlich.“
Methode
Dies sind die Ergebnisse einer Umfrage in 32 Ländern, die von Ipsos über seine Online-Plattform „Global Advisor“ zwischen Freitag, dem 20. März, und Freitag, dem 3. April 2026, durchgeführt wurde. Für diese Umfrage befragte Ipsos insgesamt 23.532 Erwachsene im Alter von mindestens 18 Jahren in Indien, im Alter von 18 bis 74 Jahren in Kanada, der Republik Irland, Israel, Malaysia, Südafrika, der Türkei und den Vereinigten Staaten, im Alter von 20 bis 74 Jahren in Thailand, im Alter von 21 bis 74 Jahren in Indonesien und Singapur sowie im Alter von 16 bis 74 Jahren in allen anderen Ländern.
Die Stichprobe umfasst jeweils etwa 1.000 Personen in Australien, Belgien, Brasilien, Kanada, Festlandchina, Frankreich, Deutschland, Großbritannien, Indien, Italien, Japan, den Niederlanden, Neuseeland, Spanien und den USA sowie jeweils 500 Personen in Argentinien, Chile, Kolumbien, Ungarn, Indonesien, Irland, Israel, Malaysia, Mexiko, Peru, Polen, Singapur, Südafrika, Südkorea, Schweden, Thailand und der Türkei.
Weitere Informationen finden Sie unter www.ipsos.de
Quelle: IPSOS






